Alerting — Wenn-Dann-Referenz¶
Diese Seite beantwortet „Was passiert, wenn …?" für das Alerting. Jeder Abschnitt ist eigenständig lesbar und nennt die Regel und die Begründung.
Die drei Sätze, aus denen sich fast alles ableitet:
- Benachrichtigt wird auf Änderungen, nicht auf Zustände. Vesana meldet, wenn ein Problem entsteht, sich verschlimmert oder endet — nicht dauerhaft, solange es besteht.
- Jede eingestellte Zeit läuft ab dem Moment, in dem Vesana das Problem bestätigt hat — nicht rückwirkend ab dem theoretischen Beginn.
- Eine Regel gilt nur für Probleme, die nach ihrer Aktivierung entstehen.
Was passiert, wenn ein Check kritisch wird?¶
Der Reihe nach:
- Der Check liefert ein schlechtes Ergebnis. Nach den konfigurierten Bestätigungs-Versuchen gilt das Problem als bestätigt — ab hier läuft die Uhr.
- Die Anzeige (Fehlerübersicht, Host-Detail) wird sofort rot. Rot heißt nicht „Mail ist raus".
- Nach der in der Regel eingestellten Wartezeit („benachrichtigen, nachdem das Problem anhält") wird der Check auf alarmierend gehoben.
- Jetzt greifen Unterdrückungen (Wartung, Host down, Abhängigkeiten, Info-Modus). Überlebt der Alarm, geht er in die Bündelung.
- Nach dem Sammelfenster (Standard 30 Sekunden) geht eine Meldung an alle Kanäle der zutreffenden Regeln.
Ein rot angezeigter Check ohne Meldung ist also normal — er ist noch nicht lange genug am Stück kritisch.
Was passiert, wenn ich „benachrichtigen nach 300 s" einstelle?¶
Das Problem muss 300 Sekunden ununterbrochen anhalten, gerechnet ab dem Zeitpunkt, an dem Vesana es bestätigt hat. Erholt es sich vorher, kommt nie eine Meldung — genau dafür ist die Einstellung da (kurze Aussetzer, Neustarts).
Die Zeit lässt sich pro Status getrennt setzen (Critical, Warning, No Data, Unknown). Leer heißt „wie Critical".
0 bedeutet sofort: die Meldung geht ohne zusätzliche Wartezeit raus.
Was passiert, wenn ein Host komplett ausfällt?¶
Es kommt eine Meldung „Host nicht erreichbar" mit der Liste der betroffenen Checks — nicht eine Meldung pro Check. Die Einzelmeldungen der Checks werden unterdrückt, weil sie nur Symptome derselben Ursache sind.
Zum Zeitverlauf: Vesana kann einen Host-Ausfall frühestens nach etwa 3 Minuten feststellen (so lange läuft der Puffer für ausbleibende Lebenszeichen des Agents). Erst ab diesem Moment beginnt deine eingestellte Wartezeit zu laufen.
Beispiel: Der Host fällt um 10:00 aus. Um 10:03 zeigt Vesana „No Data". Mit 300 Sekunden Wartezeit kommt die Meldung um 10:08.
Eine Wartezeit unter 3 Minuten wirkt deshalb wie 3 Minuten — kürzer geht technisch nicht.
Was passiert, wenn der Host wieder da ist?¶
Es kommt eine Entwarnung („Host wieder erreichbar"). Die Entwarnungen der einzelnen Checks, deren Alarm vorher unterdrückt wurde, werden ebenfalls unterdrückt — sonst käme für einen Ausfall eine Entwarnung pro Dienst.
Merksatz: Was auf dem Hinweg geschluckt wurde, wird auf dem Rückweg auch geschluckt.
Was passiert, wenn ich eine neue Regel anlege, während ein Problem schon läuft?¶
Nichts. Die Regel gilt nur für Probleme, die nach ihrer Erstellung bzw. Aktivierung entstehen.
Der Grund: Wer eine Regel baut, kennt den aktuellen Stand — eine Meldung über das, was er gerade anschaut, wäre Lärm. Dasselbe Verhalten kennt man von Zabbix.
Konsequenz, die man wissen muss: Ein Problem, das beim Aktivieren schon läuft, bleibt für diese Regel stumm, bis es einmal behoben war und erneut auftritt. Auch die Eskalation läuft dafür nicht an — ohne Erst-Benachrichtigung gibt es keine Stufen.
Was passiert, wenn ich eine bestehende Regel ändere?¶
Die Änderung wirkt ab sofort für alles, was danach passiert. Laufende Probleme werden nicht rückwirkend neu bewertet. Wird eine deaktivierte Regel wieder eingeschaltet, zählt der Zeitpunkt des Einschaltens als Startpunkt.
Was passiert, wenn mehrere Regeln denselben Check treffen?¶
Alle greifen. Konkret:
- Die Meldung geht an die Vereinigung der Kanäle aller zutreffenden Regeln.
- Jede Regel benachrichtigt nach ihrer eigenen Wartezeit. Eine Regel mit 60 Sekunden meldet früher als eine mit 600 Sekunden — die zweite meldet später zusätzlich an ihre Kanäle.
- Bei der Erinnerung gewinnt das kürzeste eingestellte Intervall.
Was passiert, wenn mehrere Checks eines Hosts gleichzeitig ausfallen?¶
Sie werden zu einer Meldung gebündelt. Das Sammelfenster (Standard 30 Sekunden) wartet kurz auf Nachzügler.
Kommt ein weiterer Check später dazu oder steigt die Schwere, gibt es eine Update-Meldung — aber frühestens nach dem eingestellten Mindestabstand (Tenant → Alert-Gruppierung, Standard 5 Minuten, mindestens 1 Minute) nach der letzten Nachricht, damit Nachzügler zu einer Nachricht zusammenfallen statt einzeln einzutrudeln.
Was passiert, wenn mehrere Hosts gleichzeitig nicht erreichbar sind?¶
Alle Hosts, die innerhalb der Wartezeit des Tenants ausfallen, stehen in einer Meldung („Hosts nicht erreichbar: srv01, srv02, srv03"), mit den betroffenen Checks je Host. Kommen sie zurück, gibt es eine Entwarnung. Ein einzelner Host bekommt weiterhin seine gewohnte Einzel-Meldung. Die Wartezeit der Regel gilt dabei wie beim einzelnen Host-Ausfall — gezählt ab dem Moment, ab dem Vesana den Host als nicht erreichbar führt.
Was bedeuten Erstmeldung, Update, Erinnerung und Entwarnung?¶
Vier Sorten Nachricht, im Betreff erkennbar:
- Alarm — das Bündel meldet sich zum ersten Mal.
- Update — die Lage hat sich geändert: ein weiterer Dienst ist betroffen oder die Schwere ist gestiegen.
- Erinnerung — nichts Neues, das Problem läuft weiter. Kommt nur, wenn in der Regel eingeschaltet.
- Entwarnung — alle Probleme des Bündels sind behoben.
Was passiert, wenn ein Teil der Probleme wieder behoben ist?¶
Du bekommst eine Sammel-Meldung, keine pro zurückgekehrtem Dienst.
Kommen mehrere Checks eines Hosts nacheinander im Takt ihrer Intervalle zurück, wartet Vesana ein Beruhigungsfenster ab (der eingestellte Mindestabstand des Tenants, Standard 5 Minuten) und fasst alle Rückkehrer in einer Nachricht zusammen: „2 Probleme auf srv01 (3 behoben)". Danach beginnt das Fenster neu.
Erholt sich in diesem Fenster alles, entfällt die Zwischenmeldung — dann kommt nur die Voll-Entwarnung „alle Probleme behoben".
Was passiert, wenn ein Problem lange offen bleibt?¶
Standardmäßig nichts — du wirst nicht erneut erinnert. Erinnerungen sind opt-in und werden pro Alert-Regel eingestellt („Erinnerung bei weiterhin offenem Problem").
Ist sie eingeschaltet, kommt im gewählten Takt eine als Erinnerung gekennzeichnete Nachricht, solange das Problem offen ist.
Was passiert, wenn ich eine Eskalation eingerichtet habe?¶
Die Stufen zählen ab der Erst-Benachrichtigung, nicht ab dem Problem-Beginn. Steht die Regel auf 300 Sekunden und Stufe 1 auf 60 Minuten, geht die Stufe-1-Nachricht 60 Minuten nach der ersten Meldung raus — also gut 65 Minuten nach Beginn des Problems.
Eine Stufe kann die Erst-Benachrichtigung nie überholen. Wird der Alarm quittiert, pausiert die Eskalation; wird das Problem behoben, endet sie.
Fallen mehrere Alarme gleichzeitig auf dieselbe Stufe, werden sie zu einer Nachricht zusammengefasst.
Was passiert, wenn ich einen Alarm quittiere?¶
- Läuft die Wartezeit noch, verhindert die Quittierung, dass daraus überhaupt ein Alarm wird.
- Läuft der Alarm bereits, pausiert die Eskalation.
- Wird der Zustand schlimmer als beim Quittieren, bricht die Quittierung automatisch — das ist wieder ein echtes Problem.
- Bei Behebung wird die Quittierung automatisch aufgehoben, damit der nächste Ausfall wieder alarmiert.
- Läuft eine gesetzte Frist ab und das Problem besteht weiter, wirst du erneut informiert.
Die Quittierung mit entferntem Haken „ist ein Problem" macht daraus eine akzeptierte Ausnahme: bleibt sichtbar rot, zählt aber nicht als Problem und alarmiert nicht.
Bekomme ich eine Entwarnung, obwohl nie eine Meldung kam?¶
Nein. Eine Entwarnung setzt immer eine zugestellte Meldung voraus — Vesana meldet nie das Ende von etwas, dessen Anfang du nicht gesehen hast.
Praktisch heißt das:
- Fällt ein Host aus und kommt zurück, bevor die eingestellte Wartezeit der Regel abgelaufen ist, bleibt es komplett still — kein Alarm, keine Entwarnung.
- Wurde ein Alarm von einem Wartungsfenster oder einem ausgefallenen Eltern-Host unterdrückt, wird seine Entwarnung ebenfalls unterdrückt. Das Signal für die Rückkehr ist die Entwarnung des Eltern-Hosts.
- Fällt ein Host komplett aus, kommt eine Host-Meldung und später eine Host-Entwarnung — nicht eine pro Dienst.
Umgekehrt gilt genauso: Ging eine Meldung wirklich raus, kommt auch die Entwarnung — an genau die Kanäle, die die Meldung bekommen haben, selbst wenn die Regel inzwischen gelöscht oder umkonfiguriert wurde.
Was passiert während eines Wartungsfensters?¶
Keine Alarme, keine Eskalation, keine Erinnerungen für die betroffenen Objekte. Auch dann nicht, wenn das Problem mitten im Fenster entsteht.
Endet das Fenster und das Problem besteht weiter, wirst du darüber informiert — die Wartung verdeckt ein Problem, sie löscht es nicht.
Was passiert, wenn der Elternteil einer Abhängigkeit ausfällt?¶
Alarme der abhängigen Objekte werden unterdrückt, solange der Elternteil nicht erreichbar ist. Maßgeblich ist die Erreichbarkeit des Eltern-Hosts, nicht irgendein roter Check auf ihm — sonst würde ein abgelaufenes Zertifikat die halbe Infrastruktur stummschalten.
Die Unterdrückung wirkt transitiv über die ganze Kette. Welche Meldungen unterdrückt wurden, steht in der Meldung des Elternteils und im Diagnose-Log.
Was passiert, wenn ein Kanal nicht erreichbar ist?¶
Die Meldung ist nicht verloren. Jede Sendung liegt in einem Zustell-Journal und wird mit wachsenden Abständen erneut versucht (10 Sekunden bis 10 Minuten, bis zu acht Versuche). Gelingt es endgültig nicht, wird die Sendung als fehlgeschlagen markiert und erscheint mit Fehlertext im Zustell-Protokoll und im Diagnose-Log.
Auch ein Neustart des Servers während einer laufenden Zustellung verliert nichts.
Was passiert, wenn ein Kanal Meldungen filtert?¶
Der Mobile-Push-Kanal kennt eine Mindest-Schwere und einen Schalter für Entwarnungen. Wird eine Meldung dadurch übersprungen, gilt sie nicht als gesendet — im Diagnose-Log erscheint sie als „übersprungen" mit Grund.
Was passiert, wenn ich einen Check lösche oder pausiere?¶
Ein laufender Alarm wird still beendet: keine Eskalation, keine Erinnerungen mehr. Eine Entwarnung wird bewusst nicht verschickt — der Check verschwindet auf deinen Wunsch, das ist keine Genesung.
Was passiert, wenn ich einen Host, Check oder Tenant deaktiviere?¶
Deaktiviert heißt vollständig still. Ein deaktivierter Host, ein deaktivierter Check und ein deaktivierter Tenant lösen keine Alarme, keine Eskalationen und keine Erinnerungen mehr aus — auch keine „No Data"-Meldungen, obwohl ab dem Deaktivieren naturgemäß keine Ergebnisse mehr kommen.
- Beim Deaktivieren wird laufendes Alerting sofort abgeräumt — ohne Entwarnung. Ein Abschalten auf deinen Wunsch ist keine Genesung.
- Beim Reaktivieren beginnt die Wartezeit der Alarm-Regeln neu. Ein Host, der deaktiviert wurde, während er rot war, alarmiert also nicht in derselben Sekunde wieder, sondern frühestens nach der eingestellten Zeit.
- Beim Update auf v1.9.447 wurden noch laufende Alarme bereits deaktivierter Hosts und Checks einmalig abgeräumt.
Zur Abgrenzung: Ein Wartungsfenster unterdrückt Meldungen für eine begrenzte Zeit und lässt die Messung weiterlaufen; deaktivieren stellt die Überwachung selbst ab.
Was passiert, wenn ich die Regel lösche, während ein Alarm läuft?¶
Die Entwarnung kommt trotzdem — an genau die Kanäle, die den Alarm tatsächlich erhalten haben. Vesana merkt sich pro Sendung, wer benachrichtigt wurde, und beantwortet die Entwarnung aus diesem Gedächtnis statt aus der aktuellen Konfiguration.
Warum bekomme ich keine Meldung, obwohl etwas rot ist?¶
Die häufigsten Gründe, in dieser Reihenfolge prüfen:
- Keine Regel trifft den Check. Im Regel-Editor steht live „Matcht aktuell N Checks" — bei 0 benachrichtigt die Regel nie. Im Check-Detail zeigt der Abschnitt „Alarmierung", ob überhaupt eine Regel greift.
- Die Wartezeit läuft noch. Unter „Aktive Alarme" siehst du den Countdown bis zur ersten Benachrichtigung.
- Das Problem ist älter als die Regel. Siehe oben — dann bleibt es für diese Regel stumm.
- Etwas unterdrückt die Meldung: Wartungsfenster, Host nicht erreichbar, Abhängigkeit, Info-Modus, Quittierung — oder Host, Check bzw. Tenant sind deaktiviert und damit still. Jede Unterdrückung steht mit Grund im Diagnose-Log unter „Unterdrückt".
- Der Kanal hat die Zustellung abgelehnt. Das Zustell-Protokoll zeigt Fehlertext und Versuchszähler.
Zum Gegenprüfen gibt es den Probealarm: er läuft durch die echte Kette (Regel-Zuordnung, Unterdrückung, Zustellung) und zeigt dir pro Kanal, was passiert ist.
Was passiert bei Info-Modus und unsichtbaren Checks?¶
Ein Check im Info-Modus misst und zeichnet auf, erreicht aber nie den Alarm-Zustand: keine Meldungen, keine Eskalation, keine Unterdrückungswirkung auf andere. Gedacht für Werte, deren Nicht-OK-Zustand planmäßig ist.
Unsichtbare Telemetrie-Checks (die Datensammler des Agents) alarmieren grundsätzlich nie — was man in der Oberfläche nicht sieht, meldet sich auch nicht.
Was passiert, wenn ein Dienst ständig hin- und herspringt?¶
Erreicht er die Wartezeit nie am Stück, wird er nie zum Alarm. Damit das nicht unsichtbar bleibt, meldet Vesana einmalig „instabil (flappt)" und später „wieder stabil" — flankengetriggert, nicht bei jedem Wechsel.
Was passiert, wenn zwei Vesana-Prozesse gleichzeitig laufen?¶
Nichts Doppeltes. Fälligkeiten für Sammel-Meldungen liegen zentral; wer sie zuerst greift, versendet sie. Sendungen sind über einen Idempotenz-Schlüssel abgesichert, sodass Wiederholungen desselben Ereignisses keine zweite Nachricht erzeugen.